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Gay foren mit echten menschen

Eintrag Nr. 454, erstellt am 27. Januar 2016 | 19:13

Ja, danke.

Als Biologin muss ich hier mal beipflichten, weil ich gerade in solchen Diskussionen immer wieder angeblich "biologische" Argumente höre, die aber entweder 1.) falsch sind oder 2.) aus der Biologie von vor 70 Jahren stammen.

Derzeit ist meines Wissens nach die breite biologische Meinung, dass Homosexualität populationsdynamisch sogar SEHR sinnvoll ist.

    gay foren mit echten menschen

Eben gerade weil sie (auch) im Tierreich Nachwuchs, der keine Eltern hat, "adoptieren" oder doch mithelfen, diesen großzuziehen. Das sind nämlich durchaus keine "seltenen Einzelfälle". Möglichweise tendieren wir allzugerne zu dieser Sichtweise, weil in unserer Gesellschaft, die wir doch als so fortschrittlich empfinden, eine so simple biologisch "nützliche" (um mal das utilitaristische Argument aufzunehmen) Sache verboten ist.
"Die Natur" kann nicht davon ausgehen, dass alle Elterntiere überleben - es gibt Krankheiten, Unfälle, ungünstige Lebensbedingungen, Raubtiere etc.

Gäbe es keine Homosexualität, die ziemlich sicherstellt, dass einige Paare (nämlich die homosexuellen) zwar absolut gesund und fit, aber eben ohne Nachwuchs sind - gäbe es keine möglichen "Ersatzeltern", die diese Stellen besetzen könnten und damit ihrerseits sicherstellen, dass auch wirklich die größtmögliche Menge an Nachwuchs der Population selber ein fortpflanzungsreifes Alter erreicht.

5-10% Homosexuelle sind also die "Rückversicherung" der Natur.
Im Übrigen ist es rein rechnerisch gesehen, auch nicht so, als ob Homosexuelle, was die Weitergabe an Erbgut angeht, leer ausgingen. Hilft man mit, 4 Neffen oder Nichten "durchzubringen", ist das rein populationsgenetisch (da sie zu einem Achtel mit einem verwandt sind) genau das gleiche wie ein eigenes Kind (das zu 50% die gleichen Gene wie man selber hat).


Rein biologistisch argumentiert, ist also eine bestimmte Rate an Homosexualität für die Fortpflanzungsrate der Population also durchaus sehr "nützlich".

(Obwohl, wie schon gesagt, es mir sauer aufstößt, wenn der Wert eines Menschen nach "Nützlichkeit" gemessen wird, und ganz besonders, wenn offenbar lediglich Kindermachen als "nützlich" zählt und nichts anderes, wie etwa Impfstoffe erfinden, die Gesellschaft verbessern, Kunst schaffen, geliebt werden und lieben etc.

etc.)

P.S.: Ach so, kleiner Nachtrag noch: es ist durchaus nicht so, als ob alle "Zwitter" nicht fortpflanzungsfähig wären. "Weiblich" und "männlich" sind, rein biologisch gesehen, eher Endpunkte einer Skala als in Stein gemeißelt - und je nachdem, wo sich ein "Zwitter" auf der Skala befindet, kann er oder sie durchaus fähig sein, Kinder zu zeugen oder zu gebären.

Es geziemt einem Künstler, wenn ein Werk in seine Gewalt gestellt ist, dass er dasselbe auf das schönste mache, so er kann.

Was aber die Schönheit sei, das weiß ich nicht.
- Albrecht Dürer -

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